Migrationen gehören zu den großen Herausforderungen der Gegenwart. Obwohl aus ökonomischen und demographischen Gründen viele Länder auf Zuwanderungen angewiesen wären, werden sie zunehmend emotional diskutiert und als Bedrohung empfunden. Migrationen gehörten freilich bereits in der Vergangenheit zur Realität des alltäglichen Lebens. Wien, Prag oder Czernowitz waren mehrsprachige, pluriethnische und plurikulturelle Städte, in denen unterschiedliche verbale und nonverbale Kommunikationsräume der zentraleuropäischen Region aufeinandertrafen, ineinander übergingen und zur Dynamik urbaner kultureller Prozesse beitrugen. Obwohl "Fremde" das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Geschehen wesentlich mitbestimmten, begegnete man ihnen schon seit dem 19. Jahrhundert oft mit Skepsis und ähnlichen Abwehrstrategien wie in der Gegenwart. Die Untersuchung macht deutlich, dass trotz der sprachlichen Homogenisierung Spuren heterogener kultureller Einflüsse die urbanen Milieus bis heute prägen und zu einem integralen Bestandteil des Gedächtnisses dieser Städte geworden sind.
PressespiegelWie bereits in dem Grazer Spezialforschungsbereich über Wien und die Moderne um 1900 vergleicht Csáky die Postmoderne mit der Moderne und betont die Ähnlichkeit der Ausgangsbedingungen und der Herausforderungen. Letztlich deutet das in Richtung eines zirkulären anstatt eines linearen Zeitverständnisses.
Zugleich endet das Buch mit einem politischen Auftrag an das heutige, seit den 1990er Jahren wieder boomende und zunehmend multinationale Wien und seine politischen und gesellschaftlichen Eliten.
(H-soz-u-Kult)
[E]in Meisterstück wissenschaftlicher Prosa. [...] Csákys dichte Beschreibung der kulturellen Gedächtnisse zentraleuropäischer Städte kann in erster Linie als ein ausdrückliches Plädoyer für einen entnationalisierten Blick auf die Literatur-Geschichte gedeutet werden.
(literaturkritik.de)
Nicht nur der häufig eingebrachte, eher allgemein gehaltene Gegenwartsbezug, der auf die kultur- und nicht selten wissenschaftspolitische Geschichtsvergessenheit der Region anspielt, sondern auch auf die Verflechtung unterschiedlicher, teils widersprüchlicher Beispiele stärken den essayistischen Charakter des Bandes, der dennoch oder gerade darum als Handbuch der zentraleuropäischen Jahrhundertwende gelten kann.
(kakanien revisited)
Dass das „Fremde“ zu einem integralenBestandteil des „Heimischen“ wurde, dass Kultur nicht homogen, sondern aus vielen Einflüssen zusammengesetzt ist, ist die zentrale These des Buches, die Csáky faktenreich untermauert.
(Kronenzeitung / Kultur)
Moritz Csakys Studie, die übergreifende Methodik und empirische Fallstudien souverän miteinander verbindet, stellt an die Analyse kultureller Phänomene ohne Zweifel hohe Ansprüche.
(Kunstgeschichte aktuell)