Bis zum Untergang der Donaumonarchie wurden kritische Äußerungen über den Kaiser streng verfolgt. Diese Arbeit widmet sich der Geschichte der Majestätsbeleidigung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und untersucht, in welcher Weise Kritik an Franz Joseph I. gerichtlich geahndet wurde. Die strenge Strafdrohung und ihre praktische Anwendung geben Aufschluss über das Herrschaftsverständnis des Kaisers und seiner Regierungen. Zugleich erlaubt die Untersuchung der Motive der Täter und der näheren Umstände der Tatbegehung Rückschlüsse auf das Herrschaftsverständnis der Untertanen, ihre Anteilnahme am politischen Geschehen und die Erwartungen, die sie an ihren Kaiser stellten. Die Analyse des Inhalts der verfolgten Äußerungen und der konjunkturellen Entwicklung der Verurteilungszahlen zeigt, wie sehr Majestätsbeleidigungen mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen korrelierten und wie das Strafrecht zur Unterdrückung unliebsamer politischer Strömungen instrumentalisiert wurde.
Philip Czech Philip Czech ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Österreichischen Institut für Menschenrechte in Salzburg. PressespiegelCzech has produced an engaging account of prosecuted cases of "Majestätsbeleidigung" and offenders´ conflict-ridden encounter with state autorities. His book sheds fresh light on the political, legal and social history of Austria in the second half of the nineteenth century. (German History) Die flüssig und auf hohem sprachlichem Niveau geschriebene Studie [liest man] mit großem Gewinn, bietet sie doch eine seltene Synthese von generellen rechtsgeschichtlichen Darlegungen mit der lebendigen Materie konkreter Fallbeispiele, bei deren Analyse und Einbettung in den Zeitkontext der Verfasser fast immer richtig liegt. (Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte) Czechs Auswertung der Salzburger Gerichtsakten hat Pioniercharakter. (H-Soz-u-Kult) |