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Entziehungen

Maria Fritsche
Entziehungen
Österreichische Deserteure und Selbstverstümmler in der Deutschen Wehrmacht



2004, 284 S.
9 Faks.
24 x 17 cm
Br.


Preis: € 35.00 (Unverbindliche Preisempfehlung)


978-3-205-77181-4
Vergriffen

 

 

"Feigling", "Verräter", "Kameradenschwein" - das sind die Schimpfnamen, mit denen Deserteure teilweise heute noch belegt werden. In der Zeit des Nationalsozialismus war jeglicher Entziehungsversuch aus der Deutschen Wehrmacht mit dem Tode bedroht. Deserteure und Selbstverstümmler wurden als "Volksverräter" von der Wehrmachtsjustiz gnadenlos verfolgt. Ihre Weigerung, für Hitler in den Krieg zu ziehen, blieb aber im Nachkriegsösterreich unbedankt.

Wer waren die Menschen, die sich dieser Gefahr ausgesetzt hatten? Das Buch spürt den unterschiedlichen Motivationen nach, die den Entziehungen zugrunde lagen, und dokumentiert anhand von Quellen die teilweise abenteuerlichen Fluchtverläufe. Auch die Verfolgung der Deserteure und Selbstverstümmler durch die NS-Militärgerichtsbarkeit und der bislang wissenschaftlich kaum erforschte brutale Strafvollzug der Deutschen Wehrmacht wird ausführlich analysiert. Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Situation der Deserteure und Selbstverstümmler im Nachkriegsösterreich. Wer als Deserteur den Krieg überlebte, hatte nach 1945 mit massiven Anfeindungen und Diskriminierungen zu kämpfen. Das Weiterwirken nationalsozialistischer Feindbilder und die mangelhafte Vergangenheitsbewältigung machte diese "ungehorsamen" Soldaten in Österreich zu gesellschaftlichen Außenseitern, deren Geschichte und Leiden weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Das äußerst differenzierte und stilistisch ausgezeichnete Buch erzählt in anschaulicher Weise die Geschichte der "anderen" Soldaten und leistet damit Pionierarbeit in der österreichischen Geschichtsforschung.